Niederursels „Lahmer Esel“        

        Von Peter-Philipp Schmitt        31. Mai 2007 

Am Haus vorbei führt die Ursel. An dem kaum 15 Kilometer langen Bach, der in die Nidda mündet, standen einstmals mehr als 40 Getreide-, Papier- und Tabakmühlen. Das ist Geschichte. Direkt vor der Tür des Hauses hält inzwischen die Bahn-Linie U3.

Der Städter erreicht also bequem das Dorf, ohne die Stadt zu verlassen. Niederursel ist, man mag es kaum glauben, ein Teil von Frankfurt – und ist nicht, wie das ebenfalls nach der Ursel benannte Oberursel, eine eigenständige Stadt. Idyllisch mutet am Rande Frankfurts letztlich nur noch das alte Lokal im Haus zwischen Bachbett und Bahnschienen an. Hier könnte einmal das Zentrum des Dorfes gewesen sein. Heute passt vor allem der alte Name des Hauses: „Zum Lahmen Esel“.

An Herzlichkeit herrscht kein Mangel

Ende Juni wird in dem schönen Fachwerkhaus, das selbstverständlich unter Denkmalschutz steht, Geburtstag gefeiert. Im Jahr 1807 wurde erstmals an dieser Stelle eine Gastwirtschaft erwähnt. Vermutlich wurde in ihr schon Ebbelwei ausgeschenkt. Mehr als 160 Jahre lang blieb das Lokal danach im Besitz der Niederurseler Familie Ruppel, seit 14 Jahren führt Thomas Metzmacher die Wirtschaft. Dazwischen gab es auch schlechte Jahre, das heruntergekommene Anwesen musste 1994 von Grund auf renoviert werden. Nun kann der „Lahme Esel“ von sich behaupten, die schönste Ebbelweikneipe weit und breit zu sein – sie ist laut „Stöffche“-Führer die einzige in Niederursel.

Mit „herzlich-uriger Gastlichkeit“ wird geworben. „Urig“ sind gewiss der alte Emailherd in der Ecke, das Kutschergeschirr an der Wand, der Strohkarren auf dem Dach. Weniger das elektrisch betriebene Feuer im Herd, die künstlichen Sonnenblumen im Geschirr und der fast lebensgroße Esel aus – vermutlich – Kunststoff, der den Strohkarren zieht. „Herzlich“ lässt sich leichter fassen. In dieser Hinsicht ist wohl jeder Gast zufriedengestellt.

Der Achter-Bembel (mit Ebbelwei aus der Kelterei Wenzel in Altenstadt-Rodenbach, das Glas zu 1,30 Euro) steht geschwind auf dem Tisch. Das Schneegestöber (5,90 Euro), der Handkäs’ (zwei Euro), die Kartoffelküchle mit frischem Räucherlachs und Kräuterschmand (5,80 Euro) folgen sogleich. An Herzlichkeit herrscht kein Mangel. Das ahnte offenbar schon der Esel, der einst mit seinem Bauern am Urselbach vorbeikam, sich vors Lokal legte und nicht mehr aufstand – bis man das tote Tier zu guter Letzt, so die Überlieferung, auf einem nahen Acker verscharrte.