Weil es viel Nachwuchs gibt, der anpacken will, muss Berkersheim nicht mehr im Saal feiern

Wir stemmen die Zeltkerb

Von Andreas Haupt

Berkersheim. Die Kommandos von Michael Schack schallen über den Platz vor dem Festzelt. „An den Baum, hau ruck.“ Gemeinsam mit Kerbepräsident Sebastian Steinmetz dirigiert Schack, früher selbst Kerbebursche, das Ansetzen der Leitern, damit der 21 Meter lange Kerbebaum nicht aus dem Gleichgewicht kommt. Seit Freitagabend feiert Berkersheim seine Kerb, die seit dem vergangenen Jahr wieder als Zeltkerb daher kommt. Noch bis heute Abend wird auf dem Gelände des Reit- und Fahrvereins Niddertal auf die Pauke gehauen.

Höhepunkt ist wie in jedem Jahr das Aufstellen des Baums. Die Fichte haben die zwölf Kerbeburschen und fünf -mädchen zusammen mit ihren Vorgängern aus dem Vilbeler Wald geholt. „Um 8 Uhr haben wir uns am Samstag getroffen, um zunächst das Zelt aufzuräumen“, sagt Ralf Mohr, Pressewart des Kerbevereins (BKV). Ist es doch bereits am Freitagabend mit der Kinderdisco und dem anschließenden „Berkschemer Night Fever“ hoch her gegangen.


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Klick! Um 10 Uhr ging es los in den Wald, damit der Baum fertig geschmückt rechtzeitig um 14.30 Uhr zum Beginn des Festzugs bereit stand. Auf einem Leiterwagen wurde der Baum traditionell per Trecker kreuz und quer durch den Ort zum Festplatz gezogen – wobei die jungen Berkersheimer auf seinem Stamm ritten. In diesem Jahr im Zug nahm neben dem Nachwuchs des Turn- und Sportvereins Berkersheim erstmals auch Frankfurts Apfelweinkönigin Mandy I. am Korso teil. Die passende Musik lieferte die „Main Brass Musik- und Showband“ aus Offenbach.

Abends dann sorgten die Kerbeburschen beim Kerbetanz mit der Band „Topsound“ und dem obligatorischen Kerbetreiben für Party-Stimmung. Unter den Mädchen aus dem Stadtteil kürten sie „Berkersheims Next Top Model“. Als Preis gab es dabei den Kerbebaum zu gewinnen. Auch die bekannte Fernsehshow „Herzblatt“ feierte im Festzelt ein Comeback.

Dank des Bürgervereins, der tausende rot-weiße Fähnchen und Luftballons an die Bevölkerung verteilt hatte, war der Stadtteil üppig geschmückt. „Überall haben die Menschen toll mitgefeiert, vor allem oben am Dammgraben“, sagt Mohr.

Den ökumenischen Festgottesdienst im Festzelt leitete gestern der evangelische Prädikant Bernd Oettinghaus gemeinsam mit Pastoralreferent Martin Dück von der katholischen Gemeinde zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wie in jedem Jahr zeichnete auch an diesem Sonntag der TSV Berkersheim für das Mittagessen und das anschließende Kerbetreiben verantwortlich. Für Groß und Klein gab es Flohmarkt, Dosenwerfen, Kuhmelken – das Tier aus Holz, versteht sich – und andere selbst entworfene Spielen. Den Abschluss des Abends bildete traditionsgemäß der Lampionumzug der Kinder durch Frankfurts kleinsten Stadtteil.

„In den vergangenen Jahren hatten wir weniger Kerbeburschen“, sagt Steinmetz. Deshalb habe es nur zu einer Kerb im Lemp’schen Saal gereicht. Doch inzwischen sei die Truppe wieder so groß, dass sie eine Zeltkerb stemmen könne. „Das kommt bei den Besuchern besser an. Die Stimmung ist einfach eine andere.“

Zwar bedeute dies für alle Mitorganisatoren mehr Arbeit, angefangen beim Aufbau des Zelts. „Aber wir haben hier viel mehr Freiheiten, stören niemanden mit unserem Fest.“ Da störte es auch nicht weiter, dass der Kerbebaum nicht durch die Kurve an der Bahnunterführung wollte, sodass ein Umweg über den Bahnübergang am anderen Ende des Ortes erforderlich wurde.

Für den Frühschoppen heute aber 10 Uhr haben sich die Berkersheimer Handwerksbetriebe unter Leitung von Treppenbauer Wolfgang Diehl und Zimmermann Thomas Quanz wieder eine Überraschung einfallen lassen. „Die haben schon Go-Kart-Rennen organisiert oder sind über heiße Kohlen gelaufen“, erinnert sich Mohr. Zum Ausklang der Kerb legen ab 20 Uhr die Disc-Jockeys von JP-Sounds im Festzelt auf. Der Eintritt ist frei. Zum Schluss muss die Kerbelies dran glauben. Sie wird verbrannt, die Kerb ist aus.